Sabbateln mit Friedel und Horst

Friday, January 19, 2007

Buenos Aires 18.01.


Als wir von Iguazú zurückflogen, sahen wir in der Nähe vom Flughafen große Schwimmbecken, also erkundigten wir uns im Hotel nach öffentlichen Bädern dort. Sie bestätigten uns, daß es dort welche gäbe und wir fuhren deshalb heute morgen dahin, um stressfrei den letzten Tag in Buenos Aires zu verbringen. Es gab heute über 30° Celsius in der Stadt und deshalb hatten wir keine Lust auf Touriprogramm. Wir genossen die Zeit am Pool und ich begann mein neues Buch zu lesen: Andrés Oppenheimer, Cuentos Chinos. Er analysiert in dem Buch die gegenwärtige und wohl zukünftige politische und wirtschaftliche Lage Lateinamerikas. Das Buch ist die ideale Ergänzung zu unserer Reise, denn es untermauert unsere Beobachtungen mit Interviews mit wichtigen Politikern aus der Region, sowie vielen weiteren Politikern, z.B. Felipe Gonzales aus Spanien. Sehr spannend und lesenswert!
Um halb sieben wurden wir am Hotel abgeholt und zum Flughafen ca. 35 Kilometer außerhalb gebracht. Der Flug war problemlos in der Riesenmaschine mit 10 nebeneinander liegenden Sitzplätzen im Jumbojet, allerdings dauerte es eben 11,5 Stunden bis wir in Madrid ankamen. Am Flughafen warteten wir auf den Weiterflug, doch als wir abflugbereit waren, teilte uns der Flugkapitän mit, daß wir keine Starterlaubnis bekommen würden, da der Flughafen in Frankfurt wegen eines Orkans gesperrt sei. Dies bedeutete Warten bis um halb neun Uhr Ortszeit, dann starteten wir. Um 23.05 landeten wir in Frankfurt, nachdem wir beim Anflug ordentlich durchgeschüttelt worden waren. Unser Sohn Jens holte uns am Flughafen ab, und das war gut so, denn die ganzen Bahnstrecken waren unterbrochen. Wir sind also wieder gut in Deutschland angekommen und freuen uns, unsere Familie und alle Freunde und Bekannten wieder zu treffen und die nichtveröffentlichten Erlebnisse mitzuteilen! (Als Oma und Opa haben wir uns auch schon geübt!)
Wie der Rest vom Sabbatjahr aussehen wird, wissen wir noch nicht genau. Auf alle Fälle ist Skifahren in den Alpen angesagt und ein Besuch in London. Außerdem wollen wir nach den Osterferien nach Griechenland, um das orthodoxe Osterfest der Griechen mitzuerleben. Dann werde ich wahrscheinlich wieder etwas im Blog schreiben. Wen es interessiert, sollte ab Mitte April wieder mal reinschauen. Allerdings werde ich den Blog noch überarbeiten bezüglich der Fotos. Allen Lesern wünschen wir eine stressfreie Zeit in der bloglosen Phase :-(

Wednesday, January 17, 2007

Buenos Aires 15. - 17.01.




Wir erhielten am Montag unsere Flugtickets und erfuhren, dass wir erst am Mittwochabend um 22.00 Uhr von hier nach Madrid fliegen, dann am Tag darauf um 18.00 Uhr nach Frankfurt. Also blieben uns noch fast drei volle Tage, um Buenos Aires kennenzulernen. Am Montag fuhren wir nochmals nach "La Boca", um ein paar Fotos zu machen, denn ob die Wiederherstellung der Fotos auf dem kaputten Chip klappen wird, weiss ich nicht. Die farbigen Haeuser und die Strassenszenen bieten jede Menge Motive, ausserdem die vielen Lokale, die natuerlich touristisch "aufgeruestet" sind. Wir nutzten die Gelegenheit, einige Einkaeufe zu taetigen, Zeitung zu lesen, damit war der Tag auch wieder vorbei. Am Dienstag besuchten wir das "Museo Nacional de Bellas Artes" und sahen, wie in Argentinien im 19. Jahrhundert im Zuge der Unabhaengigkeit eine nationale Kunstbewegung entstand. Am Hafen "Puerto Madero" gingen wir nochmals spazieren und sahen dabei die Faehre, die nach Montevideo in Uruguay faehrt. Ueber das Denkmal zu dem Krieg in den Falklands und dem Monument fuer den Befreier San Martín ging es durch die Einkaufsmeile "Florida" ins Hotel zurueck. Schoen sind die vielen architektonischen Ideen, die hier realisiert worden sind, allerdings sahen wir auf dem Nachhauseweg viele Jugendliche in den Muellsaecken wuehlen. Sie suchten entweder nach Essbarem oder sie trennten Muell, wie Kartonagen, um ihn irgendwo zu verkaufen. Ueberhaupt ist dies etwas, was uns zu schaffen macht: Der unglaubliche Reichtum, der in Suedamerika immer wieder deutlich wird und die Armut, die man auf der Strasse sieht. Ganze Familien mit Kleinkindern liegen hier auf dem Gehweg, um zu schlafen, oder sie sind mit dem Fahrrad und dem ganzen Hausrat unterwegs, wie wir es in der Avenida de Mayo beobachten konnten. Oft kommen Kinder in den Cafés oder Restaurants vorbei, um irgendeinen Krimskrams anzubieten und um Almosen zu betteln. Sie werden dann von den Kellnern freundlich, aber bestimmt weggeschickt, doch es ist ein Problem, wie uns ein Kellner erklaerte. Manche der Kinder werden agressiv und die Polizei schreitet ueberhaupt nicht ein. Kinderarbeit ist auf der Einkaufsmeile zu sehen, denn Kinder im Grundschulalter spielen dort Ziehorgel, um Geld zu verdienen.
Fuer uns geht eine Reise mit sehr vielen Eindruecken zu Ende, die erst im Laufe der Zeit eingeordnet werden koennen, wahrscheinlich mit den Bildern und dem Tagebuch, das ich zusaetzlich zum Blog geschrieben habe. Wir werden zu Patagonien, Buenos Aires und Iguazú Bilder in den Blog stellen, dies aber erst, wenn wir wieder in Deutschland sind.

Iguazú 14.1.



Als Oma und Opa am Pool zu liegen hat schon eine besondere Note! Da unser Flug heute erst um 18.00 Uhr ging, blieben wir im Hotel und genossen nochmals die fuenf Sterne, die fuer uns waehrend der Reise vollkommen ungewohnt waren. Ich las ein Buch zuende, Ernesto Sábato, El Túnel, ein Buch ueber das Trauma des argentinischen Volkes wegen der Militaerdiktatur und ein Versuch, unmenschliche Handlungsweisen begreiflich zu machen (?). Zur Verarbeitung brauche ich noch etwas Zeit, vielleicht ergibt sich mal die Gelegenheit auch im Unterricht. So ist das Sabbathjahr auch ein Fortbildungsjahr, ohne Druck und mit Musse. Waehrend der Reise hatte ich sehr viel Gelegenheit, Spanisch und Englisch zu sprechen und eine kleine Anekdote zeigt dies: Als ich im Internet hier im Hotel war, sass ein Amerikaner neben mir. Als ich Probleme mit dem Zugang hatte, half mir eine Argentinierin und erklaerte mir, wie es funktioniert. Danach wandte sich der Amerikaner in gebrochenem Spanisch an mich und fragte mich, wie man @ auf der Tastatur produziert. Ich antwortete natuerlich auf Englisch, worauf er verbluefft sagte: " I thought you spoke Spanish!"
Abends flogen wir dann zurueck nach Buenos Aires und gingen in der lauen Sommernacht spazieren und etwas essen.

Sunday, January 14, 2007

Iguazú 13.01.

Seit heute sind wir Oma und Opa! Wir freuen uns riesig! Johannes kam am 13.01. auf die Welt und wiegt ueber 4 kg. Mutter, Vater und Kind sind wohlauf!
Am Morgen fuhren wir an das Dreilaendereck zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay. Hier fliessen die zwei Fluesse Paraná (Vater der Fluesse) und Iguazú (grosses Wasser) zusammen. Wir mieteten ein Boot exklusiv fuer uns bei einem Kleinunternehmer, der uns auf den beiden Fluessen spazieren fuhr und sehr viel ueber die Situation der Menschen hier erzaehlte. Zwischen Argentinien und Brasilien scheint es keinen so grossen interkulturellen Austausch zu geben, da die Brasilianer abblocken wuerden. Die Beziehungen zu Paraguay seien aber intensiver. Er selbst ist Sohn eines Brasilianers und einer "Paraguacha", deshalb spricht er Guaraní, die Landessprache von Paraguay, natuerlich auch Portugiesisch und Spanisch. Man sieht, dass der Iguazú im Paraná "stirbt" (muere), wie er es ausdrueckte. Der Paraná ist 4200 km lang und seine Stroemung ist gewaltig. Deshalb sterben immer wieder bei Unfaellen Menschen, die die Gefahr der Strudel unterschaetzen. Wir konnten es selbst spueren, denn das Boot trieb innerhalb kurzer Zeit hunderte von Metern ab, als er den Motor abstellte und das Boot treiben liess. Diese Stunde war sehr unterhaltsam und eine sehr persoenliche Erfahrung, weitab vom Touristenstrom. Den Nachmittag verbrachten wir im Hotel, am Pool, Jacuzzi und Thermalbad, bei wunderschoenem Wetter und bei ueber 30 Grad. Am Abend gab es beim Abendessen einen Dorada zu verspeisen, im Fluss hier gefangen. Er hatte etwa einen halben Meter Laenge und schmeckte vorzueglich!

Friday, January 12, 2007

Iguazú 11./12.01.


Morgenstund hat Gold im Mund, deshalb sind wir auch gleich um 7.30 Uhr am Flughafen von Mendoza gewesen, um nach Buenos Aires zu fliegen und von dort aus gleich nach Puerto Iguazú an der Grenze zu Brasilien. Waehrend des Flugs nach Buenos Aires sass ein argentinischer Rechtsanwalt neben uns, mit dem wir uns ueber die soziale und politische Lage in Argentinien und Lateinamerika unterhielten. Er meinte, dass auf lange Sicht Evo Morales und aehnliche Populisten keine Chance in Suedamerika haben werden. Hugo Chavez schaetzt er als einen Pragmatiker ein, der vielleicht Erfolg haben wird. In der Zeitung "La Nación" war ein sehr interessanter Artikel zum Thema, er gab ihn mir gleich zum Lesen. Seine Tochter vertritt die Auslandsabteilung seiner Bodega und als Zeichen der Freundschaft wollte er uns zwei Flaschen Rotwein zum Hotel in Buenos Aires schicken lassen. Da sind wir natuerlich gespannt!
In Iguazú im Hotel Cataratas angekommen, machten wir uns erst einmal mit den Anlagen des 5 Sterne Hotels vertraut. Thermalbad, grosses Schwimmbad, Gesundheitspfad, verschiedene Essensmoeglichkeiten - so hatten wir es noch nie waehrend der ganzen Reise! Das Essen ist sehr gut, es spielt ein E-Pianist zur Unterhaltung, vorher im Foyer ein Harfenspieler, nicht schlecht! Im Programm der Reise ist natuerlich ein Besuch der Cataratas del Iguazú inbegriffen und dies haben wir heute absolviert.
Zuerst ging es per Bahn und zu Fuss zu dem hoechsten Wasserfall - dem Garganta del Diablo (Teufelsschlund). Er ist 72 Meter hoch und in den Schlund stuerzen pro Sekunde 1750 Kubikmeter Wasser! Gigantisch, diese Wassermassen zu sehen, wie sie auch in dieser Breite in die Tiefe stuerzen. Danach ging es zu dem restlichen Teil der Wasserfaelle auf argentinischer Seite und wir konnten sie auch aus mittlerer Hoehe und von unten betrachten - unglaublich mit welcher Wucht das Wasser wuetet.
Waehrend der Mittagspause spielte ein Harfenspieler populaere Melodien fuer die Touris. Ich bestellte bei ihm "Cielito Lindo", was er prompt spielte. Dafuer kaufte ich auch seine CD ab. Er war schon in Nuernberg gewesen und in der Schweiz. "Tengo muchos amigos allá" war seine Aussage.
Als Hoehepunkt ging es noch in Badekleidung auf eine Bootsfahrt unter drei Wasserfaelle, wo wir eine kostenlose Dusche erhielten. Ein Japaner nutzte die Gelegenheit, sich vorher mit einer kompletten wasserdichten Montur einzudecken. Die Aussentemperatur betraegt im Moment ca. 28 Grad bei 100% Luftfeuchtigkeit! Die Fahrt ging dann ca.6 km flussabwaerts, wo wir anlandeten. Von dort ging es mit Unimog durch den Dschungel, wo uns eine Guide des Nationalparks ueber den subtropischen Dschungel informierte. Sie haben hier nur 2 Wochen "Winter" und 30% der Baeume verlieren im Herbst die Blaetter. Heute sahen wir zum ersten Mal in unserem Leben Tapire, die ganz gemuetlich neben dem Weg herliefen. Tucane gab es in den Baeumen zu sehen, dazu noch Reiher und Kormorane im Fluss.
Mit unserer Fuehrerin unterhielt ich mich ueber die soziale Lage der Leute hier. Sie meinte, dass es den Leuten hier ganz gut ginge, doch dass das Durchschnittseinkommen bei etwa 1400 - 1500 Pesos liege und eine Wohnung fuer eine Familie zu mieten bei etwa 600 - 800 Pesos laege. Wir bezahlen im Moment fuer ein gutes Essen mit allem drin 6-8 Euro (4 Pesos = 1 Euro)pro Person! Argentinien als Reiseland ist fuer uns im Moment der Knueller.
Dies heute war wirklich ein absolutes Muss fuer Argentinien und wir sind froh, dass wir die Gelegenheit wahrgenommen haben.
Verblueffend, wir unkompliziert hier die Frauen mit ihren Babys umgehen. In den Speisesaal kam gestern abend eine junge argentinische Mutter mit ihrem Baby an der Brust und sie genierte sich auch nicht, das Kleine waehrend sie am Buffet war weiter zu stillen. Der junge Vater ging mit dem Teller nebenher und legte ihr das Essen darauf. Wir wunderten uns nur, dass sich keiner wunderte!

Wednesday, January 10, 2007

Mendoza 9. - 10.1.





Um 6.30 Uhr sind wir bereits vom Aeroparque in Buenos Aires gestartet. Um 10.00 Uhr waren wir in Mendoza im Hotel. Da wir aus der Hitze in Buenos Aires in den Glutofen von Mendoza kamen, blieb uns nichts anderes uebrig, als uns langsam in der Stadt zu bewegen und die restliche Zeit am und im Pool des Hotels zu verbringen. Die Stadt selbst hat viele Alleen mit Baeumen und Gruenanlagen, die aber alle mit dem Wasser aus den Anden kuenstlich bewaessert werden muessen. Dasselbe passiert mit den Reben, denn Mendoza ist ein Zentrum des Weinanbaus.
Fuer heute hatten wir eine Fahrt in die Hochanden gebucht und dies war ein echter Knueller! Es ging am Fluss Mendoza ins Gebirge hoch, zuerst in die Voranden, dann die Mittelanden und danach in die Zentralanden bis auf 4200 Meter! Diese Passhoehe erreichten wir auf der alten Inkastrasse, die lange als die einzige Verbindung zwischen Chile und Argentinien diente. Dort befindet sich eine Statue von Cristo el Redentor (Christus, der Erloeser), und zwar je zur Haelfte auf chilenischem und argentinischem Gebiet. Sie soll fuer Frieden zwischen den beiden Laendern sorgen, denn 1902 standen sie kurz vor einem Krieg, der aber abgewendet werden konnte. Ein argentinischer Kuenstler hat deshalb als Mahnung diese Bronzestatue geschaffen.
Ausserdem besichtigten wir die Puente del Inca, ein Weltnaturdenkmal. Sie dominiert durch ihre gelbe Farbe, die von Schwefel herruehrt. Beeindruckend sind aber vor allem die Berge mit ihren unterschiedlichen Formen und Farben. So etwas haben wir beide noch nie gesehen und wir waren absolut fasziniert. Sogar ein Skigebiet gibt es auf 2200 Metern und mit einem Sessellift sind wir ein Stueck hochgefahren um die Aussicht zu geniessen. Die chilenische Seite von den Anden hat einen ganz anderen Charakter, da es dort feucht ist und die Vegetation ganz anders ist. (s. Blogbilder) Eine junge Argentinierin hat sehr viel erklaert waehrend dieser Fahrt und wir kamen auch mit einheimischen Gaesten ins Gespraech. Dies ist eben der Vorteil, wenn man selbstaendig unterwegs ist.

Buenos Aires 8.1.



Heute liessen wir im Reisebuero einen Flug nach Deutschland buchen. Der beste Termin war der 17.01., Mittwoch, so dass wir am 18.01. in Frankfurt ankommen werden. Das hiess, dass wir noch fuer Argentinien Zeit haben und deshalb liessen wir uns vom Reisebuero ein Reisepaket zusammenstellen. Wir fliegen zuerst nach Mendoza am Andenrand im Westen, danach werden wir die Cataratas de Iguazú an der brasilianischen Grenze besuchen. Nach dem Reisebuero war wieder Friseur angesagt und jetzt haben wir beide argentinisch geschnittene Haare. Fuer den Abend hatten wir Karten fuer eine Tangoshow im Café Tortoni, dem Kultcafé von Buenos Aires. Sehr praktisch, da es schraeg gegenueber von unserem Hotel liegt und die Show erst um 23.00 Uhr begann. Dieses Mal war die Inszenierung ganz anders als am Samstag und das Ambiente in der Bodega im Keller des Cafés auch. Es war sehr humorvoll gemacht mit kleinen szenischen Darstellungen ueber die Beziehung zwischen Mann und Frau. Aus uns wird man aber keine Tangotaenzer mehr machen, uns sind die Folkloretaenze zu sehr ans Herz gewachsen. Ich wollte auch noch Bilder im Blog veroeffentlichen, doch dabei ging etwas total schief, denn die inkompetente Besetzung des Internetcafés hat es geschafft, saemtliche Fotos auf dem Chip zu loeschen. Vielleicht kann man sie wieder herstellen zuhause, doch dazu brauche ich noch Tipps. Hilfe! Zumindest bis Ushuaia sind die Fotos gesichert, doch die ganze Reise nach Norden bis Buenos Aires ist weg. Schluchz!

Sunday, January 07, 2007

Buenos Aires 05. - 07.01.





Der letzte Tag unserer Reise mit Rotel (Tor)Tours war angebrochen und es stand eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Mit einer deutschsprachigen Fuehrerin ging es vom Platz des Deutschen Turnvereins in die Innenstadt von Buenos Aires, wo wir zuerst den Friedhof von La Recoleta besuchten. Dort befindet sich die Gruft von der Familie Duarte, die Eltern von Eva Perón. Ihre letzte Ruhestaette ist jetzt dort, nach einer Odysse durch Europa (Mailand), wo sie unter fremdem Namen beerdigt war. Reiche Familien von Buenos Aires kaufen sich dort ein Grundstueck fuer ihre letzte Ruhestaette. Zur Zeit kostet ein Platz 60.000 US$. Von dort fuhren wir zum Plaza de Mayo, wo immer noch die Demonstrationen der Muetter fuer ihre verschollenen Kinder waehrend der Militaerdiktatur stattfinden. Die Kathedrale befindet sich dort, sowie die Casa Rosada, der Regierungspalast. Im Hafenviertel "La Boca" hatten wir eine Stunde Zeit, um Fotos von den bunten Haeusern zu machen und das besondere Ambiente zu geniessen. Zwei Tangotaenzerinnen stuerzten sich sofort auf mich und nahmen Tanzposen ein, damit Friedel Fotos machen konnte. Ich bekam sogar eine rote Backe davon! Nein, nicht vor Verlegenheit, vom Lippenstift!
Von "La Boca" ging es an anderen Sehenswuerdigkeiten wie dem Obelisk in der Avenida 9 de Julio vorbei, bevor wir selbstaendig Einkaeufe in der Fussgaengerzone taetigen durften. Sehenswert sind hier vor allem die Galerías Pacífico, die sehr an europaeische Kaufhaeuser zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnern. Ueberhaupt ist Buenos Aires die wohl europaeischste Hauptstadt Suedamerikas und das Flair ist vergleichbar mit Paris und Barcelona. Uns gefaellt sie auf alle Faelle sehr gut!
Wir hatten Gelegenheit, ein Hotel zu suchen und wir fanden eins in der Avenida de Mayo, das Hotel Astoria, schraeg gegenueber vom Café Tortoni, beruehmt fuer seine Tangoshows und sein tolles Interieur.
Abends gab es ein von Rotel gesponsertes Abendessen im Restaurant des Turnvereins (Sociedad Alemana de Gimnasia de Villa Ballester = der volle spanische Name!) und wir dankten unserem Reiseleiter Manfred fuer seine ausgezeichneten Beitraege und dem Fahrer Ludwig fuer seine Fahrkuenste (rueckwaerts einparken, Fahrzeug reparieren, kochen...) und dabei bei so einer heterogenen Reisegruppe immer die Nerven zu behalten.
Am naechsten Morgen packten wir alles zusammen und Friedel und ich nahmen, nachdem wir uns von allen verabschiedet hatten, ein Taxi zum Hotel im Zentrum. Wir genossen es, selbstbestimmt ueber unsere Zeit zu verfuegen und ein schoenes Bad fuer uns allein zur Verfuegung zu haben. Nach einer langen Siesta besuchten wir am Abend eine sehr abwechslungsreiche Tangoshow mit vorhergehendem Abendessen in einem Lokal am Hafen mit Blick auf die Docks durch die Fenster des Restaurants. (5 Tanzpaare, ein Saenger, 7 Musikanten)
Heute, Sonntag, besuchten wir den Floh- und Antiquitaetenmarkt von San Telmo mit seinem besonderen Ambiente. Hier wurde Tango auf der Strasse getanzt und ein paar Gitarristen spielten ganz hervorragend die Musik dazu - ohne Bandoneon diesmal. Grund, eine CD zu kaufen! Schoen, wieder dahingleiten zu koennen, ohne Zeitdruck, mit Musse Dinge zu betrachten.

Saturday, January 06, 2007

Argentinien 01. - 04.01.2007





Um sieben Uhr mussten wir am Neujahrstag losfahren, denn es stand wieder ein besonderer Programmpunkt an. Doch zunaechst schlief der ganze Bus, denn bei einigen war es doch etwas spaeter geworden, obwohl wir schon um 20.00 Uhr argentinischer Zeit auf das neue Jahr anstiessen (vier Stunden Zeitverschiebung). Ich verschlief dann Mitternacht, waehrend Friedel vom Bettfenster aus das Feuerwerk bewunderte und ich den ohropaxgeschuetzten Schlaf des Gerechten schlief und vor mich hinschnarchte(behauptet Friedel!).
Nach wenigen Kilometern trafen wir auf einen PKW mit einer Autopanne. Die drei Insassen hatten seit ein Uhr Nachts auf der Strasse ausharren muessen und wir waren das erste Fahrzeug, das vorbeikam. So ist Patagonien! Es ist ungeschriebenes Gesetz, dass man sich gegenseitig hilft und in so einer Situation grundsaetzlich anhaelt. Die zwei nur leicht bekleideten, verfrorenen Damen nahmen wir mit zur naechsten, eine halbe Stunde entfernten Tankstelle, waehrend der Fahrer im Auto wartete. Unser Tagesziel war eine See-Elephantenkolonie auf der Halbinsel Valdés, die durch einen Isthmus mit dem Land verbunden ist und auf der sich 58 Estancias befinden. Ab 8000 Schafen lohnt sich so ein Betrieb, wir fuhren also dauernd an Schafherden vorbei. Trotzdem hat man das Gefuehl von unheimlich viel Platz, sogar auf dieser Halbinsel.
Zum Besuch der Seeelefanten mussten wir wieder einer Fuehrerin folgen, die uns sehr viel Interessantes zu den riesigen Elefantinnen sagen konnte, die sich abgeschlafft am Ufer befanden. Sie machten die "Mauser" (Fellwechsel) nach der Aufzucht der Jungen durch und waren fix und fertig, da sie sich waehrend dieser ganzen Zeit nicht auf Nahrungssuche begeben hatten. Die Jungen und die Maennchen befanden sich bereits wieder auf hoher See, so dass wenig Action war. Die Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz in Puerto Madryn, einer Gruendung von walisischen Pionieren im 19. Jahrhundert.
Am naechsten Tag ging es erst um 8.00 Uhr los, denn wir mussten im Ort noch Einkaeufe taetigen. So hatten wir Zeit fuer Telefonanrufe zuhause und konnten uns nach unserem potentiellen Enkel erkundigen, der jeden Tag auf die Welt kommen kann. Um 10.00 Uhr ging es weiter und die Fahrt heute war weniger anstrengend, da wir bereits um 14.00 Uhr am Ziel in Las Grutas am Atlantik waren. Leider war das Meer weg - es war Ebbe! Wir konnten schoen spazieren gehen und die Sonne geniessen, Voegel beobachten (Austernfischer, Flamingos..., da hat unser Freund Martin gefehlt!)
Nach dem Abendessen spuerte ich, dass mich endlich der Magen-Darmvirus erwischt hat, der schon seit einigen Tagen in der Gruppe Unheil anrichtete. Aber mit einmal spucken und zweimal k... war alles erledigt. Am naechsten Morgen war ich noch etwas schlaff, doch auf der 600 km langen Fahrt ins Landesinnere und in die Pampa konnte ich mich im Bus erholen, soweit man diese Busfahrten Erholung nennen kann.
Die Landschaft wechselte relativ schnell und wir befanden uns nun in der halbfeuchten Pampa mit noch kuenstlicher Bewaesserung. Charakteristisch sind die Windraeder auf den Weiden, die das Grundwasser nach oben pumpen. Es gibt Baumpflanzungen als Windschutz und es tauchen die ersten Rinderherden auf. Ausserdem werden die Weiden gruen und die ersten kahlen Huegel der Sierra tauchen auf.
Wir erreichten erst um 18.00 Uhr den beliebten Ferienort fuer Leute aus der Hauptstadt und bauten unser Rotel auf einem an einem Fluss gelegenen netten Campingplatz auf, wie immer eine Attraktion fuer die Camper auf dem Platz und Anlass fuer Unterhaltungen mit den argentinischen Nachbarn. Es gab Nudelsuppe am Abend, die von einigen "Rotelianern" begruesst wurde, da es wieder einige erwischt hatte und kein grosser Appetit herrschte. Friedel und ich gingen noch spazieren, schauten uns den Fluss an und den Ort, der ausgiebig von einheimischen Touristen bevoelkert war. Wir entdeckten auch hier einen Internetzugang - Internet Rural nannte es sich - genauso langsam funktionierte es auch!
Nun folgte der letzte, ultimative Fahrtag. Ohne Attraktionen am Wegrand, viel Pampa, eine Bar Americana war der heutige Hoehepunkt beim Mittagessen. Aber mit einem echten Fogón ausserhalb des Lokals, d.h. das Fleisch wurde bei offenem Feuer gegrillt und es schmeckte sehr gut. Auf der Ruta 3 ueberholten wir immer wieder Viehtransporter, denn 30 000 Rinder werden jede Woche in Buenos Aires geschlachtet. Nach insgesamt 8620 Kilometern erreichten wir endlich den Platz des Deutschen Turnvereins Villa Ballester in einem Vorort von Buenos Aires. Dort sollten wir die naechsten zwei Tage verbringen und das Gelaende des Sportvereins war ein guter Abschluss fuer die Fahrt.