Reisefieber
So langsam werden wir nervös, denn die Abreise rückt näher. Die letzte Wäsche waschen, Post weiterleiten lassen, Telefon abmelden, Zwetschgen ernten... es gibt ja noch so viel zu erledigen! Vergangene Woche mussten wir schnell eine Änderung der Reisepläne vornehmen, da eine Direkteinreise von den USA nach Mexiko mit dem USA Waiver Visum nicht möglich ist. Offensichtlich wollen sie sicher gehen, dass man bei der Ausreise weit weg ist! Also buchten wir kurzerhand einen Flug nach San José, Costa Rica, um dort ein paar Tage zu verbringen und dann von dort aus nach Mexiko zu reisen. Am 10.10. geht es von San Diego weiter nach Costa Rica. So langsam wird es Zeit von hier abzureisen, denn heute fragte uns eine Passantin in Biberach, ob wir schon wieder hier seien? Das Wetter lädt wirklich nicht dazu ein, noch längere Zeit hier zu verweilen, obwohl es doch sonst in Oberschwaben soooo schön ist! Heute habe ich allerdings noch schnell meine Bewerbung als "Weltreisereporter" bei der Schwäbischen Zeitung weggeschickt. Da kann man eine Kreuzfahrt auf dem Schiff Astor gewinnen, Beginn am 5.12. und Dauer fünf Monate. Für die Bewerbung habe ich einen Artikel zum Thema Reisefieber schreiben müssen. Falls man die Reise gewinnt ist die Bedingung, dass man jede Woche einen Artikel für die Schwäbische Zeitung schreibt. Das wärs doch!
Hochzeit in Cortos/Salamanca

Unsere erste Aktion im Sabbatjahr war der Besuch der Hochzeit von Freunden aus Biberach, sie Spanierin, er Deutscher. Allerdings heirateten sie in einem kleinen Dorf, Cortos, 30 km südlich von Salamanca in Spanien.Wir flogen zusammen mit Freunden aus Biberach mit Germanwings am Donnerstag, den 10.8. nach Madrid. In der Maschine trafen wir mit Hilfe unserer hochgehaltenen Einladung auf einen weiteren Gast, am Flughafen anschließend auf zwei weitere eingeladene Gäste aus dem Kollegium. Nach der Übernachtung in Madrid machten wir uns am nächsten Tag auf nach Cortos, über Salamanca mit dem Bus. Abends um ca. 18.00 Uhr kamen wir dort an und wurden vom Bräutigam in einem Haus bei seinen Eltern einquartiert. Am gleichen Abend wurde eine Messe zu Ehren der verstorbenen Familienmitglieder gefeiert. Der Pfarrer, der die Trauung vornehmen sollte, war bereits eingetroffen und hielt diese Messe.
Abends fand ein Dorffest zu Ehren des Brautpaars statt, mit einem Konzert einer Folkloregruppe aus der Region mit traditioneller Musik der Gegend und aus Lateinamerika. Danach gab es von der Dorfbevölkerung und der Familie vorbereitete Tapas und Getränke.
Am Samstag machten wir erst einmal einen Stadtbummel in Salamanca, die Stadt mit der zweitältesten Universität in Spanien. Abends fand dann die Trauungszeremonie in der Dorfkirche von Cortos statt, die vorher von der Familie und Freunden geputzt und festlich geschmückt worden war. Normalerweise leben im Dorf nur noch eine Handvoll Leute, die anderen kommen über das Wochenende oder in den Sommerferien zurück in die Heimat. Die letzte Hochzeit hatte angeblich vor etwa 50 Jahren stattgefunden, so dass dieses Ereignis eine wahre Sensation war. Nach der sehr persönlich gehaltenen Trauung ("entrañable" für die Spanischsprechenden) gab es vor der Kirche die Freilassung von zwei weißen Tauben sowie weitere kleinere Aktionen. Gleich danach folgte das Buffet und das Fest im toll geschmückten Garten der Familie.
Wir trugen mit einem schwäbischen Tanz zur Unterhaltung bei, die Braut sollte einen Integrationstest damit bestehen, was sie auch blendend machte.
Am kommenden Sonntag gab es zum Abschluss am Nachmittag ein Paellaessen an einer ca. 30 Meter langen Tafel - genauso wie man es von Filmen kennt!
Wir fuhren am Abend nach Salamanca zurück und gingen dort nochmals mit unseren Freunden (neu und alt) in der stimmungsvollen Umgebung eines Platzes in der Altstadt zum Essen. Am Montagmorgen trennten sich unsere Wege, denn wir verbrachten noch drei Tage in Madrid in einem Hostal in der Nähe vom Prado, von wo aus wir alles zu Fuß erkunden konnten. Wir besuchten die Picassoausstellung (25 Jahre Guernica in der Reina Sofía) sowie das Museum Thyssen mit seiner einmaligen Sammlung quer durch die Kunstgeschichte.
Abends besuchten wir zwei einmalige Tanz-, bzw. Musikveranstaltungen: Einmal eine Aufführung des Ballet Folklórico Español mit einer tollen Show aus Flamenco und tradititioneller nordspanischer Folklore. Des weiteren das Musical "Mama Mía" von ABBA, das ganze aber auf Spanisch. Beides gefiel uns ausgezeichnet und der Aufenthalt in Madrid hat sich deshalb wirklich gelohnt.
Zufällig trafen wir am letzten Tag im Kaufhaus "El Corte Inglés" auf das Brautpaar, mit dem wir natürlich zum Essen gingen. Sie erfuhren dabei, dass das spanische Fernsehen eine Reportage von ihrer Hochzeit plane, denn am Sonntag war in der Lokalzeitung von Salamanca ein Artikel über die Hochzeit erschienen und die Redakteure der Sendung "Gente" waren darauf aufmerksam geworden. Die Aufnahmen erfolgten dann tatsächlich am darauffolgenden Tag im Dorf Cortos!
Einen gelungeneren Auftakt unseres Sabbatjahrs konnten wir uns nicht wünschen!