Sabbateln mit Friedel und Horst

Saturday, January 06, 2007

Argentinien 01. - 04.01.2007





Um sieben Uhr mussten wir am Neujahrstag losfahren, denn es stand wieder ein besonderer Programmpunkt an. Doch zunaechst schlief der ganze Bus, denn bei einigen war es doch etwas spaeter geworden, obwohl wir schon um 20.00 Uhr argentinischer Zeit auf das neue Jahr anstiessen (vier Stunden Zeitverschiebung). Ich verschlief dann Mitternacht, waehrend Friedel vom Bettfenster aus das Feuerwerk bewunderte und ich den ohropaxgeschuetzten Schlaf des Gerechten schlief und vor mich hinschnarchte(behauptet Friedel!).
Nach wenigen Kilometern trafen wir auf einen PKW mit einer Autopanne. Die drei Insassen hatten seit ein Uhr Nachts auf der Strasse ausharren muessen und wir waren das erste Fahrzeug, das vorbeikam. So ist Patagonien! Es ist ungeschriebenes Gesetz, dass man sich gegenseitig hilft und in so einer Situation grundsaetzlich anhaelt. Die zwei nur leicht bekleideten, verfrorenen Damen nahmen wir mit zur naechsten, eine halbe Stunde entfernten Tankstelle, waehrend der Fahrer im Auto wartete. Unser Tagesziel war eine See-Elephantenkolonie auf der Halbinsel Valdés, die durch einen Isthmus mit dem Land verbunden ist und auf der sich 58 Estancias befinden. Ab 8000 Schafen lohnt sich so ein Betrieb, wir fuhren also dauernd an Schafherden vorbei. Trotzdem hat man das Gefuehl von unheimlich viel Platz, sogar auf dieser Halbinsel.
Zum Besuch der Seeelefanten mussten wir wieder einer Fuehrerin folgen, die uns sehr viel Interessantes zu den riesigen Elefantinnen sagen konnte, die sich abgeschlafft am Ufer befanden. Sie machten die "Mauser" (Fellwechsel) nach der Aufzucht der Jungen durch und waren fix und fertig, da sie sich waehrend dieser ganzen Zeit nicht auf Nahrungssuche begeben hatten. Die Jungen und die Maennchen befanden sich bereits wieder auf hoher See, so dass wenig Action war. Die Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz in Puerto Madryn, einer Gruendung von walisischen Pionieren im 19. Jahrhundert.
Am naechsten Tag ging es erst um 8.00 Uhr los, denn wir mussten im Ort noch Einkaeufe taetigen. So hatten wir Zeit fuer Telefonanrufe zuhause und konnten uns nach unserem potentiellen Enkel erkundigen, der jeden Tag auf die Welt kommen kann. Um 10.00 Uhr ging es weiter und die Fahrt heute war weniger anstrengend, da wir bereits um 14.00 Uhr am Ziel in Las Grutas am Atlantik waren. Leider war das Meer weg - es war Ebbe! Wir konnten schoen spazieren gehen und die Sonne geniessen, Voegel beobachten (Austernfischer, Flamingos..., da hat unser Freund Martin gefehlt!)
Nach dem Abendessen spuerte ich, dass mich endlich der Magen-Darmvirus erwischt hat, der schon seit einigen Tagen in der Gruppe Unheil anrichtete. Aber mit einmal spucken und zweimal k... war alles erledigt. Am naechsten Morgen war ich noch etwas schlaff, doch auf der 600 km langen Fahrt ins Landesinnere und in die Pampa konnte ich mich im Bus erholen, soweit man diese Busfahrten Erholung nennen kann.
Die Landschaft wechselte relativ schnell und wir befanden uns nun in der halbfeuchten Pampa mit noch kuenstlicher Bewaesserung. Charakteristisch sind die Windraeder auf den Weiden, die das Grundwasser nach oben pumpen. Es gibt Baumpflanzungen als Windschutz und es tauchen die ersten Rinderherden auf. Ausserdem werden die Weiden gruen und die ersten kahlen Huegel der Sierra tauchen auf.
Wir erreichten erst um 18.00 Uhr den beliebten Ferienort fuer Leute aus der Hauptstadt und bauten unser Rotel auf einem an einem Fluss gelegenen netten Campingplatz auf, wie immer eine Attraktion fuer die Camper auf dem Platz und Anlass fuer Unterhaltungen mit den argentinischen Nachbarn. Es gab Nudelsuppe am Abend, die von einigen "Rotelianern" begruesst wurde, da es wieder einige erwischt hatte und kein grosser Appetit herrschte. Friedel und ich gingen noch spazieren, schauten uns den Fluss an und den Ort, der ausgiebig von einheimischen Touristen bevoelkert war. Wir entdeckten auch hier einen Internetzugang - Internet Rural nannte es sich - genauso langsam funktionierte es auch!
Nun folgte der letzte, ultimative Fahrtag. Ohne Attraktionen am Wegrand, viel Pampa, eine Bar Americana war der heutige Hoehepunkt beim Mittagessen. Aber mit einem echten Fogón ausserhalb des Lokals, d.h. das Fleisch wurde bei offenem Feuer gegrillt und es schmeckte sehr gut. Auf der Ruta 3 ueberholten wir immer wieder Viehtransporter, denn 30 000 Rinder werden jede Woche in Buenos Aires geschlachtet. Nach insgesamt 8620 Kilometern erreichten wir endlich den Platz des Deutschen Turnvereins Villa Ballester in einem Vorort von Buenos Aires. Dort sollten wir die naechsten zwei Tage verbringen und das Gelaende des Sportvereins war ein guter Abschluss fuer die Fahrt.

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