Chile 12.12. - 15.12.


Leider konnten wir nur eine Nacht auf der Insel Chiloé bleiben, da wir die Faehre am naechsten Tag nach Chaitén nehmen mussten und andere wegen Reparatur nicht zur Verfuegung standen. So sahen wir nicht die koloniale Hinterlassenschaft der Deutschen auf der Insel und auch nicht das Museum dazu. Doch auf dieser Reise muss immer wieder improvisiert werden, denn der Reiseleiter kann nicht das Wetter und die Verkehrsverhaeltnisse vorherbestimmen. Also ging es am 12.12. von Ancud mit der Faehre nach Angelmo/Puerto Montt zurueck und von dort ging es nachmittags um 13.00 Uhr mit einer kleinen Autofaehre auf die 11 Stunden lange Fahrt nach Chaitén. Anfangs war die Fahrt noch ganz ruhig, doch als sich der Meeresarm verbreiterte, wurde die See wilder und einige wurden seekrank, darunter Friedel. Dadurch, dass es lange hell ist hier unten im Sueden, konnten wir uns in einer windstillen Ecke auf dem Schiff auf einer Bank aufhalten, denn im Aufenthaltsraum stank es fuerchterlich. Die Wellen verhinderten, dass das Abwasser des WCs abfliessen konnte. Schliesslich zogen wir uns wegen der Kaelte in den Bus zurueck und da war es viel ruhiger und der Magen von Friedel beruhigte sich wieder etwas. Um Mitternacht kamen wir in Chaitén an, fuhren auf den Campingplatz, bauten das Rotel auf und legten uns schlafen.
Wir befinden uns jetzt im Norden von Patagonien auf chilenischer Seite und wir fuhren
in den letzten Tagen durch kaum erschlossene Andentaeler, aber auf einer sehr gut befestigten Piste. Die Siedlungen bzw. Hoefe sind aus Holz erbaut und haben alle noch Holzfeuerung. Man widmet sich hier der Viehzucht, so sehen wir unterwegs immer Rinder, Kuehe, Schafe und Pferde. Einen "Huaso" (= chilenischen Gaucho) trafen wir unterwegs, der auf dem Weg zu seinen Rindern auf der Weide war. Hier gibt es keine Strasse ausser der Carretera Austral (die suedliche Strasse) und die wenigen Autos, die man sieht, sind praktisch alles Gelandefahrzeuge. Auch unser Bus hat einen Vierradantrieb, ansonsten waere diese Tour nicht zu machen. Die letzten Tage hat es immer wieder geregnet, wobei es gestern besonders schlimm war. Auf einem schlechten Teil der Piste beschaedigte ein Stein die Luftleitung, die unser Fahrer in der Mittagspause reparierte. Danach verhedderte sich ein kleiner Felsbrocken im Zwillingsreifen, der unter viel Kraftaufwand mit dem Hammer entfernt werden musste. Dies hatte zur Folge, dass nach Ankunft auf dem Campingplatz der Reifen gewechselt werden musste. Ludwig, unser Fahrer, kochte danach auch noch Spaghetti, und das Essen war abends um halb acht Uhr fertig.
Die Landschaftseindruecke sind unglaublich. Immer wieder sind tolle Flusslaeufe zu sehen, ideal zum Wildwasserfahren. Von den Bergen stuerzen Wasserfaelle herunter und auf den Berghoehen sieht man die vom ewigen Eis vergletscherten Haenge. Heute sahen wir das Wasser aus einer Gletscherzunge herunterstuerzen, dazu stieg ueberall der Nebel hoch - gespenstisch! Da wir uns im andinischen Sommer befinden, bluehen am Wegrand und auf den Bergwiesen ueberall die Lupinen, Ginster, Fingerhut, Margriten, eine sehr schoene Farbenpracht. Nur schade, dass es nicht zu regnen aufhoeren will.
Die Carretera Austral wird teilweise ausgebaut, sodass es immer wieder zu Wartezeiten kommt. Heute trafen wir den Bauleiter, einen Deutschen, der seit 1948 in Chile lebt und immer noch perfekt deutsch spricht. Hier leben viele deutschsprachige Siedler, die ihre Traditionen pflegen (auch Taenze, wie wir gehoert haben.).
Doch die Landschaftserlebnisse sind nicht die einzigen Eindruecke, die wir mitnehmen. Dazu gehoeren die endlos langen Busfahrten, die das Kreuz lahm machen, die sehr einfachen bis einfachen Uebernachtungsmoeglichkeiten, die Positionskaempfe beim Abendessen und Fruehstueck (Donaufahrt laesst gruessen!), obwohl es Erwachsene sind. Die Begegnungen mit Leuten aus ganz Deutschland sind aber auch interessant, da immer wieder nette Gespraeche stattfinden. Friedel hat herausgefunden, dass eine Klassenkameradin ihres Bruders hinter uns im Bus sitzt (Karin Kohlberg, Lehrerstochter). Eine mitfahrende ehemalige Psychologin hat festgestellt, dass sich in der Gruppe fuenf Alkoholiker/innen befinden, bis jetzt noch kontrolliert. So laeuft gruppendynamisch nateurlich einiges ab. An die engen Schlafkabinen haben wir uns gewoehnt, es ist aehnlich wie im VW Bus.
Heute erzaehlte unser Guide etwas ueber lateinamerikanische Literatur, von der er ganz begeistert ist. Wenn er keine Reisen leitet, arbeitet er als Bildhauer zuhause in Deutschland. Er wuerde gerne mal eine Ausstellung in Biberach oder in der Naehe machen, vielleicht ergibt sich was.
Da in den letzten Tagen keine Moeglichkeit war, ins Internet zu gelangen, ist dieser Eintrag etwas laenger geworden. Wir sind gespannt, wie in naechster Zeit der Zugriff auf das Internet moeglich sein wird.

0 Comments:
Post a Comment
<< Home