Sabbateln mit Friedel und Horst

Monday, December 04, 2006

Santiago de Chile 2./3.12.



Am Samstag besuchten wir, kulturbeflissen wie wir sind, das Museo Nacional de Historia de Chile. Allerdings waren wir enttaeuscht, da die didaktische Aufbereitung sehr zu wuenschen liess. Lauter Portraits von irgendwelchen Nationalhelden und viel Text zum lesen - langweilig! Das 20. Jahrhundert war ueberhaupt nicht vorhanden, denn es wird gerade neu aufgebaut. Man kann ja hoffen! Pinochet ist im Krankenhaus, man hat den Eindruck, dass die biologische Loesung des Problems nahe ist.
Zum Mittagessen waren wir im Mercado Central, dem Fisch-, und Obstmarkt etc. von Santiago. Die Lokale bieten frischen Fisch an, und wir probierten einheimische, typische Gerichte. Es war unheimlich viel los, von den 6 Millionen Einwohnern waren wohl 3 Millionen unterwegs! Am Abend bummelten wir ueber den Huegel Santa Lucía, von dem man einen tollen Blick auf die Stadt und die schneebedeckten Anden hat. Wir sind am Ende des Fruehlings, die Kirschen und Erdbeeren sind reif, und das Wetter ist sehr angenehm. Abends ist es bis 21.00 Uhr hell, ganz anders als in der Karibik, als es schon um 18.00 Uhr dunkel wurde.
Am Sonntag besuchten wir mit einer Tour das Haus Pablo Nerudas in Isla Negra. Mit uns fuhren zwei Brasilianerinnen, ein franzoesisches Ehepaar und ein Deutscher, der Astronom ist und fuer drei Wochen abgestellt ist, um die Chilenen in der einheimischen Sternwarte zu beraten. Wir machten zuerst einen Stopp am Pazifik, in der Hoffnung, schwimmen zu koennen, aber es war viel zu kalt (10 Grad C). Auch im Hochsommer erreicht das Wasser nur etwa 15 Grad, fuer Friedel kein Land zum Urlaub machen! Das Haus Pablo Nerudas war aber ein Erlebnis! Es ist den Innenraeumen eines Schiffs nachempfunden und Neruda hat die Entwuerfe nach seinen Ideen gemacht. Es liegt auf Felsen ueber dem Meer und von seinem Bett aus hatte er einen wunderschoenen Blick auf das Meer. Kein Wunder, dass man da gut dichten kann! Ausserdem war er kein Kostveraechter, weder von Frauen, noch von gutem Essen, noch von Rotwein. Er war ein aussergewoehnlicher Sammler von Schiffsmodellen in Flaschen, Galleonsfiguren, Masken, Pfeifen, Glaesern, Schmetterlingen, Muscheln... Schon zu Lebzeiten war das Haus ein Museum und Neruda hatte viele Gaeste, die sicher einen schoenen Aufenthalt geniessen konnten, denn er hatte auch eine tolle Bar. Auf ihren Deckenbalken hat er die Namen der Freunde verewigt, die gestorben sind. Den Aperitif nahm man in einem kleinen Boot vor der Bar im Freien an Land und man trank so viel, bis alles von alleine geschwankt hat, erzaehlte die Fuehrerin.
Sein Grabmal befindet sich auf dem Grundstueck, mit Blick aufs Meer, nicht weit von der Bar. Seine Frau wurde spaeter auch dort bestattet.
Unsere Fuehrerin brachte uns dann zum Essen in ein typisches chilenisches Lokal, das auch von Einheimischen besucht war. Friedel ass Cazuela (Huehnereintopf in diesem Fall) und ich versuchte mich am Pastel de Choclo (ein Eintopf mit einer Art suessen Maispasta ueberbacken). Es war reichlich und gut. Einen Abfahrtstermin hatten wir keinen, denn wenn Deutsche dabei sind, gibt Vigdia, unsere Fuehrerin, keine Uhrzeit an, denn die Deutschen sind dann immer schon da und wollen sofort wieder weiter! Wir bekamen noch Gelegenheit, etwas von den Keramiksachen in diesem Toepferdorf (Pomaire) zu bewundern und zu kaufen, wovon wir Gebrauch gemacht haben, obwohl die Koffer eigentlich schon voll sind.

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